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Neubau und Sanierung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg,
2020/2021

Die Wissensstadt Heidelberg hat im Jahr 1997 mit der Etablierung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in zentraler Innenstadtlage der Minderheit inmitten der Gesellschaft einen festen Platz gegeben. Durch die Umgestaltung und Erweiterung erhält das Zentrum nun eine prägnante Adresse, die das gewonnene Selbstbewusstsein im Stadtbild repräsentiert. Getragen vom Leitgedanken „Vermächtnis bewahren – Teilhabe stärken – Zukunft gestalten“ entsteht ein besonderer Ort der Begegnung und des Dialogs, selbstbewusst und gleichsam angemessen im Auftritt.

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Der skulptural wirkende Baukörper erhält durch wenige gezielte Einschnitte und Öffnungen eine eigenständige, aber gleichsam integrative Erscheinung. Die alten, historisch ortsprägenden Elemente, der Hof, der Garten und die Mauer, bestimmen den Charakter des Neuen Dokumentations- und Kulturzentrums.

Der wiederhergestellte Garten im Spitz des Grundstücks wird der Stadt als von jungen Bäumen überstandener, öffentlicher Raum zurückgegeben. Ein neuer Erinnerungsort für die Opfer des Holocaust an den Sinti und Roma entsteht: der Garten des Gedenkens. Er ist bewusst als öffentlicher Raum konzipiert, der auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich ist. Es entsteht eine zusätzliche Ebene der behutsamen Annäherung und versöhnlichen Auseinandersetzung mit Ort und Inhalt. Die frisch gepflanzten Platanen symbolisieren die die von Lebendigkeit erfüllte Zukunft dieses Erinnerungsorts.

Ein markanter Gebäudeeinschnitt an der Bremeneckgasse erzeugt eine großzügige Zugangssituation, so erhält das Neue Dokumentations- und Kulturzentrum eine gut wahrnehm- und auffindbare Adresse. Der gedeckte Eingangsbereich bildet das Bindeglied zum Foyer und erzeugt zusammen mit dem Museumscafé eine einladende und offene Erscheinung. Die klare Struktur ermöglicht eine leichte Orientierung im Gebäude. Der Gemeinschaftshof gibt dem Dokumentations- und Kulturzentrum eine bauliche Mitte. Er kann flexibel mit dem Foyer und dem Museumscafé zu einer großzügigen Veranstaltungsfläche für Festakte zusammengeschaltet werden.

Über eine repräsentative Treppenskulptur mit Luftraum sind die unterschiedlichen öffentlichen Nutzungsbereiche schnell und einfach zu erreichen. Die Sonder- und Wechselausstellung sind flexibel einteilbar, während sich der Veranstaltungssaal in voller Breite in den neuen, wiederhergestellten Garten öffnet. Die Dauerausstellung ist an repräsentativer Stelle in den Obergeschossen des Neubaus angeordnet. Gezielt geführte Ausblicke in die Stadt und auf das Schloss Heidelberg verknüpfen den Neubau mit seiner Umgebung.

Der Auftritt des Neuen Dokumentations- und Kulturzentrums ist in seiner Farbigkeit an die historische Mauer aus Naturstein angelehnt, jedoch in seiner Materialität differenziert und modern interpretiert. Hier findet die Vorstellung von der Fortschreibung der Geschichte des Ortes ihren Ausdruck. Ein Kleid aus Klinkersteinen in Verbindung mit einer zweischaligen, hochwärmegedämmten Wandkonstruktion bildet eine den klimatischen Anforderungen angemessene, nachhaltige und wirtschaftliche Konstruktion.

Der Charakter der Innenräume ist durch Wandungen aus Sichtbeton und klar abgegrenzten Boden aus Gussasphalt-Terrazzo geprägt. Die abgehängten Decken aus anthrazit eingefärbten Holzwolleplatten garantieren eine hervorragende Raumakustik. Einbauten aus Eichenholz verleihen den Räumen eine natürliche, zugängliche Atmosphäre.

Dem in seiner Fläche und insbesondere Höhe begrenzten Raum wurde mit einer besonderen Konstruktion des Tragwerks begegnet. Die inneren Wandträger in den Obergeschossen spannen kreuzweise vom Kern zur Fassade und tragen dadurch die Erdgeschossdecke. Dies schafft Stützenfreiheit für die großräumigen Nutzungen der Wechsel- und Sonderausstellungen sowie des Veranstaltungssaals bei äußerst sparsamer Aufbauhöhe der Deckenkonstruktionen.

Wettbewerb: ein 3.Platz

 

Architekten:

meck architekten gmbh
Axel Frühauf
 

Mitarbeiter:

Sabrina Klingenstein, Karla Laukeningkat, Franziska Schidlo, Stefan Zöls

 

 

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