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Aussegnungshalle München-Riem,
2000

Friedhof
Die Bestattungsflächen treiben wie Toteninseln, leicht erhoben, in der umgebenden Wiesenlandschaft. Baumhaine mit verschiedenen heimischen Baumarten, wie Birken und Kiefern, Eichen und Hainbuchen, Kirschen und Wildäpfeln, geben jedem Friedhofsfeld seinen eigenen Charakter. Nach innen umgrenzen Trockenmauern die Grabfelder und lassen den Blick nur in die Ferne offen. Die in Rasenflächen integrierten Grabfelder werden über wassergebundene Wege erschlossen. Der Weg des Sarges verbindet die Schollen untereinander, er verbindet auch die Aussegnungshalle mit dem alten Friedhofsteil. Die Knickpunkte der Wege werden durch Wasserstellen betont. Außen zeigt sich der Friedhof als Park: die Landschaft umflutet die Inseln mit blühenden Magerwiesen und einzelnen Obstbäumen mit weiterreichenden Fuß- und Radwegen. Eingespannt in einen Lindendom liegt die Aussegnungshalle zwischen altem und neuem Friedhofsteil.

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Aussegnungshalle
Gegenüber dem Eingang des alten Friedhofes sind die neuen Friedhofsgebäude als strenges, fast klösterliches Geviert, in dem sonst fließenden Landschaftspark Riem angeordnet. Die einfachen, klaren Gebäude bilden zusammen mit den rauen Umfassungsmauern einen Ort der Stille.

Drei Höfe gliedern die Anlage. Der mittige, ruhige Eingangshof ist Ausgangspunkt für die Wege des Besuchers in den Friedhof, in die Aussegnungshalle, zu den Aufbahrungszellen und zum Eingang des alten Friedhofbereiches. Die Gebäude sind als schwere, aus der Erde wachsende Körper konzipiert: Eiche, Cortenstahl und Stein (Beton und Naturstein) bestimmen das Bild. Alle Materialien sind massiv und unbehandelt belassen. Ihr natürliches Altern steht für den Kreislauf des Lebens.

Unter ein bergendes Steindach ist die Aussegnungshalle gestellt: ein glatter Eichenholzkubus, ganz im Gegensatz zu den rauen, aus Bruchsteinen gemauerten Hofumfassungswänden und den Böden aus Stein. Die Stimmung in der Aussegnungshalle ist geprägt durch den warmen Holzton der Umfassungswände und einen introvertierten, sakralen Charakter, der durch die Vermeidung eines direkten Ausblicks entsteht. Eine goldene Wasserfläche, als meditativer Blickpunkt, verleiht dem Raum besonderes Licht und Atmosphäre. Von der Aussegnungshalle geht der Weg des Sarges über den gedeckten Vorhof am Wasser und an der Totenglocke vorbei über knirschenden Kies zum Friedhof, das ‚Großkreuz‘ und die Bestattungsflächen, die wie Toteninseln in der Landschaft liegen, vor Augen.

Konstruktion und Material
Der Gebäudekomplex setzt sich insgesamt aus vier einzelnen Gebäudeteilen in Stahlbetonbauweise zusammen, die eine rechteckige, durch eine Umfassungsmauer zusammengefasste Struktur ergeben. Die Hülle der Aussegnungshalle ist als Stahlbetonbau konzipiert, in den Galerie und Deckenverkleidung aus Holz eingeschoben sind. Die Gebäudeaußenflächen der Aussegnungshalle  bilden gestockte Sichtbetonflächen. Thema der äusseren Hülle der Aussegnungshalle ist das „bergende Steindach“. Das Material Stahlbeton mit seiner Eigenschaft, große Spannweiten umzusetzen, ermöglicht die Realisierung dieses weitgespannten Daches und die skulpturale Ausbildung der Gebäudekörper. Der Beton bietet daneben die Möglichkeit, differenzierte Oberflächen auszubilden und das Thema der Steigerung von optischer und haptischer Qualität mit einem Material umzusetzen.

Nach Art der verwendeten Schalung und Nachbehandlung des Betons werden differenzierte Betonoberflächen erreicht: glatte Sichtbetonoberflächen durch Verwendung der Stahlrahmenschalung, lineare Struktur durch Verwendung der Brettschalung, Strukturierung der Flächen durch nachträgliches Stocken, die Scharierung der Ecken. Die Gebäudeaußenflächen der Aussegnungshalle und der angrenzende Kernbereich sind als gestockte Sichtbetonflächen konzipiert. Der gestockte Beton erhält durch die sichtbar gewordenen Zuschlagstoffe den Charakter eines Steins: Die äußere Hülle als „bergendes Steindach“ fasst die Hauptbereiche des Komplexes zusammen. Durch Verwendung der Brettschalung nimmt der Beton die Lebendigkeit des Brettes auf und erhält eine besondere haptische Qualität. Die Brettstruktur stellt eine Nähe zum Eichenholzkubus dar und verweist auf das edlere Material Holz, das im Innern zur Anwendung kommt. Gemäß dem Konzept, wonach die Materialien differenziert nach ihrer optischen und haptischen Qualität eingesetzt werden, wird im Innern neben dem Holz mit seiner glatten, edlen Oberfläche auch der Beton als glatter Sichtbeton eingesetzt. Im Besuchergang zu den Aufbahrungszellen wird die Oberfläche des Betons in den Bereichen, in denen der Trauernde mit ihnen in Berührung kommt, geschliffen, um durch diese Art der Veredelung die haptische Qualität des Materials zu betonen.

Wettbewerb: 1. Preis, 1997

Fertigstellung: Oktober 2000

 

Architekten:

Prof. Andreas Meck (meck architekten)

und Stephan Köppel (Architekt), München

 

Mitarbeiter:

Alfred Floßmann, Susanne Frank, Peter Fretschner, Evi Krebs, Werner Schad (Projektleitung)

 

Fotografie:

Michael Heinrich, München

 

Auszeichnung:

  • Betonpreis 2001 Lobende Erwähnung
  • Deutscher Architekturpreis 2001 Auszeichnung
  • BDA-Preis Bayern 2001
  • ar+d award award 2001
  • Kulturredaktion der Abendzeitung „Stern des Jahres 2001“
  • Sonderpreis der IX Architekturbiennale in Buenos Aires 2001 10 Arquitectos Alemanos Innovatores
  • Licht-Architektur-Preis 2003 Besondere Anerkennung

 

 

Weitere Projekte: