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Jugend- und Pfarrheim Thalmässing,
2004

Die Pfarrgemeinde nennt eine kleine, in ihrer Gestaltung und Detailausbildung liebenswerte Kirche ihr Eigen. Selbstbewusst steht sie oben am Hang. Das neue Pfarrheim respektiert in seiner Höhenentwicklung und Situierung die Bedeutung der Kirche als sinnstiftendes und prägendes Gebäude der Pfarrgemeinde. Es übt sich in Auftritt und Materialität in Bescheidenheit. Es ist ganz aus Beton gegossen, sachlich und leugnet seine Entstehungszeit nicht. Farbe und Ornament überlässt es der Kirche. Zwischen Pfarrheim und Kirche spannt sich ein Platz, der die beiden Gebäude zum Ensemble verbindet. Pfarrsaal und Foyer öffnen sich in ihrer ganzen Breite zur Kirche. Die Kirchenfassade wird damit zur Begrenzung des Raumes. Sie gibt dem Pfarrsaal Weite, Sinn und Zugehörigkeit.

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Im Innern ist das Gebäude mit Eichenholz ausgekleidet, der dunkle Fußboden ist gegossen. Ein neutrales Gefäß für alle möglichen Aktivitäten der Pfarrgemeinde. Der Pfarrsaal ist ein ruhiger Raum, die Proportionen im goldenen Schnitt. Die Verkleidung der Wände mit einem Geflecht aus Weiden verleiht dem Raum eine sinnliche und warme Atmosphäre. Die Jugendräume, weiß geputzt, öffnen sich zu einem Innenhof. Es sind Räume mit hohem Nutzwert und Qualität ohne Störung von und nach außen. Entsprechend ihrer Bedeutung und dem Hang folgend nimmt die Höhe der Räume nach Norden ab. So entsteht zusammen mit der Lichtführung eine differenzierte Abfolge von Raumeindrücken.

Materialkonzept Innenraum
Für die Innenraumgestaltung wird die Auswahl auf wenige Materialien beschränkt. Die Bodenflächen als dunkler Grund sind einheitlich im ganzen Haus aus einem besonderen Estrich, auf Basis eine Gussasphalts gegossen. Auch Treppen und angrenzende Wand- und Brüstungsflächen sind mit dem gleichen Material überzogen und wirken fugenlos geschliffen als homogene Fläche „wie aus einem Guss“, wie ein polierter Stein. Ganz im Sinne von Gottfried Semper sind die Wandflächen im Saal mit einem feinmaschigen Geflecht aus Weiden verkleidet. Die weiche Struktur des Geflechtes verleiht dem Raum eine sinnliche und warme Atmosphäre. Ergänzt wird dieser Eindruck durch die Wand- und Deckenflächen mit einer massiven Eichenholzbekleidung: Der Raum wird zum Möbel.

Licht  
Der nach außen sich geschlossen zeigende, monolithische Baukörper überrascht im Innern mit hellen, lichtdurchfluteten  Räumen. Das Licht fällt über wenige, gezielte Einschnitte in das „steinerne Volumen“ des Baukörpers ein, differenziert im Tagesablauf als direktes, teils auch als indirektes Licht. Im Zusammenspiel zwischen Raum, Lichteinfall und Materialität ergeben sich vielfältige, differenzierte Lichtstimmungen im Innern. Das Volumen des ansonsten kubischen, nahezu geschlossenen Baukörpers, ist zur Platzseite tief ausgehöhlt. Über diese große Öffnung fällt das Westlicht tief in das Innere des Gebäudes ein und taucht den Saal in ein warmes Licht. Ein großes Oberlicht im Foyer bringt zusätzlich ein gleichmäßiges, diffuses Licht in den Raum.

Kunstlicht
Im Dunkeln dreht sich die Wirkung des monolithischen Baukörpers um. Die äußere, geschlossene Hüllfläche tritt zurück und über die große Öffnung zum Platz strahlt das Innere nach außen. Die Beziehung zwischen alt und neu, Öffnung und Zuwendung des Pfarrsaals zur Kirche als dem sinnstiftenden Gebäude des Ortes, wird als entwurfsbestimmendes Thema auch in der nächtlichen Wirkung des Ensembles im Licht ablesbar. Das Gebäude erhält seine Atmosphäre über die Wirkung von Raum, Proportion und den Zusammenklang von Materialität und Lichtstimmung. Das Herzstück des Gebäudes, Saal und Foyer, leuchtet als große Raumeinheit nach außen.

Wettbewerb: 1. Preis, 2001

Planungsbeginn: November 2001

Fertigstellung: Mai 2004

 

Architekten:

meck architekten

Prof. Andreas Meck

 

Mitarbeiter:

Johannes Bäuerlein, Susanne Frank (Projektleitung), Peter Sarger, Erwin J. Steiner

 

Bauleitung:

Karlheinz Beer

 

Fotografie:

Michael Heinrich, München

 

Auszeichnung:

  • contractworld.award 2005, 5. Internationaler Architekturpreis für innovative Raumkonzepte 2005, 2. Preis
  • Mies van der Rohe Award 2005 European Union Prize for Contemporary Architecture, Nominierung
  • BDA-Preis Franken 2006 Auszeichnung „Gute Bauten in Franken“

 

 

Weitere Projekte: