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Lern- und Wohnhaus Gut Biberkor, Berg,
seit 2020

Gut Biberkor, landschaftlich prägend auf einer Anhöhe nahe des Starnberger Sees gelegen, blickt auf eine knapp 1.000-jährige Geschichte zurück. Mittlerweile ist auf dem Areal die Montessori Schule Gut Biberkor beheimatet. Unter Fortführung des sozialen Gedankens des Ortes sollen künftig ergänzende Nutzungen entstehen, die Gut Biberkor nicht nur zu einem Lern-, sondern auch zu einem lebendigen Arbeits- und Lebensort werden lassen.
 

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Das ehemalige Herrenhaus mit seiner anschließenden Stallung – dem „Hühnerstall“ – bildet mit den weiteren Gebäuden des dreiseitigen Gutshofensembles rund um die mittig stehende Linde den Mittelpunkt dieses Areals.

In diesem Kontext soll der neu zu errichtende Ersatzbau sowohl an seine historische Bedeutung als Gutsherrensitz, als auch an den dazugehörigen Stall- bzw. Werkbereich anknüpfen. Vor dem Hintergrund der pädagogischen Nutzung durch die Montessori-Schule wird das Gebäude schwellenlos zugänglich gemacht und vermittelt durch eine einladende und offene Gestaltung zwischen dem Lindenhof und dem im Westen gelegenen Schulhof. Somit öffnet sich das Lern- und Wohnhaus sowohl zum Lindenhof, als auch zum Schulbau und dem ehemaligen Internatsbau und schafft Verbindungen und Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen umliegenden Gebäuden.

Die symmetrische Struktur des dreigeschossigen Baus mit Satteldach orientiert sich an dem ehemaligen Herrenhaus und findet sich auch im angelegten Schulgarten südlich des Gebäudes wieder. Durch eine modulare und additive Holzkonstruktion, welche in ihrer Primärstruktur aus Stützen und quergerichteten Balken besteht, wird die beidseitige Ausrichtung nach Osten und Westen unterstützt. Gleichermaßen wird im Erdgeschoss eine geschützte Vorzone ausgebildet, die einen Übergang zwischen Innen- und Außenraum schafft. Diese Vorzone wird im Obergeschoss durch einen Balkonbereich fortgeführt und vom Dachraum abgeschlossen.

In Anlehnung an die Sockelgestaltung des ortstypischen Bauernhauses bildet sich das Erdgeschoss durch eine geschlämmte Klinkerfassade ab, die oberen Geschosse erhalten eine Holzverkleidung. Unterstützt wird die horizontale Untergliederung durch großflächige Fensterelemente im Erdgeschoss. Diese werden im Obergeschoss zweigeteilt und im Dachgeschoss zeigen sich drei sichtbare Sparren.

Die Gebäudesüdseite greift die Adressbildung des ehemaligen Herrenhauses auf: Hier liegt im Erdgeschoss der Hofladen, der mit seinem Zugang von Süden für die Öffentlichkeit zugänglich wird. In den Obergeschossen des Südteils entsteht die Gutsherrenwohnung, die sich über zwei Geschosse erstreckt und im Typus des bayerischen Bauernhauses ergänzt wird durch einen herausgeschobenen Balkon im Obergeschoss und eine großzügige Loggia im Dachgeschoss.

Die Individualräume der Wohnung befinden sich im ersten Obergeschoss. Über eine wohnungsinterne Treppe wird das Dachgeschoss erschlossen, in dem sich ein großzügiger Wohn-, Küchen- und Essbereich angliedert. Dieser wird durch eine Galerie ergänzt, durch die der gesamte Dachraum mit dem sichtbaren Pfetten- und Sparrendachstuhl erlebbar wird. Die Wohnung ist auf beiden Ebenen über den Haupterschließungskern des Gebäudes zu erreichen, so dass eine Abstufung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit erzeugt wird.

Im Sinne der historischen Wirtschaftseingänge findet sich die Haupterschließung an den Gebäudelängsseiten wieder, welche mittels eines durchgesteckten Eingangsbereichs eine neue Verbindung zum ehemaligen Internatsgebäude schafft. Ergänzt wird dieser durch einen weiteren Erschließungskern im Norden des Gebäudes. Der im Erdgeschoss befindliche Werkstattbereich zur pädagogischen Ausbildung, welcher flexibel als handwerklicher und hauswirtschaftlicher Lernort genutzt werden kann, öffnet sich über große Schiebetüren zum Lindenhof und dem westseitigen Schulhof und stellt damit einen fließenden Übergang zwischen Schule und Gut dar.

Im darüber liegenden Obergeschoss sind die der Schulverwaltung dienlichen Büroräume angeordnet, sie werden durch weitere Büroräume im Dachgeschoss ergänzt.
Hier ist ebenfalls der große Saal situiert, der sich den großzügigen Dachraum zu Nutzen und diesen erlebbar macht und künftig für Lehrveranstaltungen der Akademie genutzt wird.

Wie ein Tuch legt sich über das Satteldach eine zweite Ebene, bestehend aus dem firstbegleitenden Oberlichtband, den Dachflächenfenstern und den Photovoltaikmodulen, welche das Dach zu großen Teilen belegen. Die Technikflächen sowie sämtliche Sanitärbereiche, Lagerflächen und die privaten Kellerräume befinden sich im Untergeschoss des Gebäudes.

Das Lern- und Wohnhaus nimmt in seiner Gestaltung Bezug zum historischen und örtlichen Kontext als Bestandteil des Gutshofensembles, öffnet das Gebäude zugleich für die pädagogische und inklusive Nutzung durch die Schule und rückbesinnt sich durch die Gutsherrenwohnung ebenfalls auf seine ursprüngliche Wohnnutzung.
 

Architekten:

meck architekten gmbh
Axel Frühauf
 

Projektleitung:

Friederike Henne

Mitarbeiter:

Karla Laukeningkat

 

 

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