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Das schmale Haus, München,
2009

Zwei Architekturjournalisten,
drei Kinder,
der Wunsch nach einem eigenen Haus im Grünen.
Das Grundstück, Baurecht und Budget
viel zu schmal für Anspruch und gewohnte Strategien.
Die Antwort: 
Ein Haus wie ein Haus,
einfach und komplex zugleich,
außen körperhaft und schwarz,
innen differenzierte Höhen und Belichtungssituationen.
Der Grundriss lebt vom Spannungsfeld 
zwischen Großraum und Zelle,
Individuum und Gemeinschaft
leicht - Holz - 
und schwer - Beton -,
niedrig und hoch
und einer überraschenden Großzügigkeit.
Unmöglich Scheinendes wird wahr.
Fremd und zugleich vertraut steht es da,
in seiner Umgebung mit erhobenem Haupt.
Ein Haus mit Haltung.
Mit Respekt behandelt will es sein.

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Die Bauaufgabe, eine nicht untypische: Eine fünfköpfige Familie braucht Platz, der Raum in der Altbauwohnung in der Stadtmitte ist zu eng geworden. Sie hegt demnach den Wunsch nach einem eigenen Haus im Grünen. Das Grundstück, ein eher untypisches - aber vermutlich auch mit Rahmenbedingungen, mit denen sich Architekten (und Bauherren) in der Zukunft öfter auseinandersetzen werden. 

Ein Vorort, der einst geprägt war von großzügig parzellierten Grundstücken, aber keineswegs villenhafter Bebauung - frei im Grundstück angeordnet, unterliegt einer Wandlung: die Grundstückseigentümer verkaufen Teile ihres Grundstückes. Es ergeben sich Grundstücke mit ausgefallenen Zuschnitten. So auch beim vorliegenden Bauvorhaben. Das Grundstück, lang und schmal, kann nur begrenzt bebaut werden: das Baurecht ließ, infolge von Vorgartensatzung und Abstandsflächenregelung, eine maximale Hausgröße von 4,80 m auf 16 m Außenmaße zu mit einer maximalen Traufhöhe von 6 m, also mit einem Satteldach der Neigung 45° eine Firsthöhe von 8,40 m. Auch das Budget war eigentlich viel zu schmal für gewohnte Strategien und den gestalterischen Anspruch der Bauherren, zweier Architekturjournalisten.

Das Konzept spielt mit dem Bild eines Hauses, mit Bekanntem und gleichzeitig mit dem Ungewohnten: fremd und zugleich vertraut steht es da inmitten seiner „gewöhnlichen“ Umgebung. Es hat alle Elemente, die ein Haus zum Haus machen, und zeigt sie auch: das Satteldach, das - aufgrund der Giebelständigkeit -  im Straßenraum präsent ist; die weißen Fenster in der schwarzen Schale, farbig überzeichnet wie in einer Kinderzeichnung; sogar die Regenrinnen sind nicht aufwändig (und kostspielig!) versteckt, sondern gehören zum großen Ganzen wie die Haustüre, der Schornstein und der Kiesweg vorm Haus. Und doch ungewohnt im pastellenen Vorort: die ebenholzfarbene, sägerauhe Holzschalung als eine Hülle für das bunte Leben im Inneren, ein Gefäß, das sich im Laufe der Zeit füllt mit Möbeln, Gewohnheiten, Geschichten. Die Fenster gehen nach außen auf, ganz pragmatisch ermöglichen sie so die maximale Ausnutzung des Innenraumes.

Das Haus ist einfach und komplex zugleich, mit differenzierten Höhen- und Belichtungssituationen. Der Grundriss lebt vom Spannungsfeld zwischen Großraum und Zelle, Individuum und Gemeinschaft, niedrig und hoch, leicht (Holz) und schwer (Beton). Gerade durch das Spiel mit unterschiedlichen Raumhöhen entsteht eine unerwartete Großzügigkeit sowie eine Vielzahl an unterschiedlichen Räumen, die sich in dem kleinen Raumvolumen des Hauses befinden. 

Der Grundriss ist durch einen Kern gegliedert, der über die Geschosse hinweg Garderobe, Sanitärbereiche und Technik enthält. Das Erdgeschoss ist konzipiert als Großraum, in dem auch die gesamte Länge des Hauses erlebbar ist, kann temporär durch ein raumhohes Schiebeelement ein „kleines Wohnen“ vom „großen Wohnen“ abtrennen. So kann das Regulieren der Privatheit ermöglicht, aber auch ein Gäste-/Arbeits-/Fernsehzimmer geschaffen werden. Im Obergeschoss erhalten die Rückzugsräume der Kinder eine Schlafgalerie; so werden die kleinen Zimmer zum Haus im Haus. Der Flur, trotz der beengten Verhältnisse nimmt er die halbe Hausbreite ein und kann so über seine Erschließungsfunktion hinaus zum Spielbereich werden. Eine kleine Treppe erschließt in einer weiteren Ebene den Arbeitsbereich des Bauherrn. 

Die Materialwahl ist unaufgeregt und zurückhaltend - auch hier die Idee des Gefäßes, welches dem Leben Raum gibt, ihm aber nicht die Aufmerksamkeit raubt: die Böden aus hellem Sichtestrich gehen mit den Fertigteiltreppen aus Sichtbeton zusammen. Die Wände weiß als bespielbare Fläche - einzig die ansonsten identischen Kinderzimmer sind jeweils in einer anderen Farbe gefasst und strahlen so in der Dunkelheit bereits farbig aus der dunklen Fassade. Die festen Einbauten (Sitzbank in der Diele, Garderobe, Bücherwand im Obergeschoss, Küchenblock sind holzsichtig und geben dem Raum eine natürliche Wärme. 

Das Haus ist, bis auf den Keller, komplett aus vorgefertigtem Holzelementbau. Zum einen sind die Wandstärken so bei allen baukonstruktiven und -physikalischen Anforderungen minimal gehalten (bei einem vorgegebenem Außenmaß von 4,80 m ein enorm wichtiger Aspekt). Eine kürzere Bauzeit ist zudem auch von Vorteil für das Budget.

Planungsbeginn: Mai 2008

Fertigstellung: August 2009

 

Architekten:

meck architekten

Prof. Andreas Meck

 

Projektleitung:

Francesca Fornasier

 

Fotografie:

Florian Holzherr, München

 

Auszeichnung:

  • VELUX Architekten-Wettbewerb 2011 Nominierung 

 

 

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